KW9 | Ausgabe 5 | Story: Ankur
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00:00:00: Home is where your heart is.
00:00:04: Seit dreizehn Jahren lebt und arbeitet Ankur Jaiswal in Bludens, der Heimatstadt seiner Frau Stefanie.
00:00:12: Doch stimmt es auch für ihn das Heimat dort ist wo das Herz zu Hause ist?
00:00:19: Wenn Ankur nach der Arbeit zu Fuß heimgeht begegnet ihm manchmal nur eine Handvoll Menschen.
00:00:25: Menschen grüßen – und er grüßt zurück!
00:00:28: Man kennt sich eben in Blutens Niemand hubt und wenn er die Straße überqueren möchte, kann er das an jedem Zebrastreifen gefahrlos tun.
00:00:38: Heute kommt ihm das ganz normal vor – doch das war nicht immer so!
00:00:44: Zuhause in Indien.
00:00:47: In Kanpur, an Kurs Heimatstadt im Norden Indiens leben circa zwei Komma acht Millionen Menschen.
00:00:54: Hier herrscht Tag-und Nachtregerbetrieb Der Verkehr ist laut und chaotisch Und auch zu Hause ist Ankur praktisch nie allein.
00:01:03: Er wächst mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder, seiner Tante und seinem Onkel mit deren Familien und mit Oma und Opa unter einem Dach auf.
00:01:13: Der Unternehmerfamilie fehlt es an nichts – und dem jungen Ankur genauso wenig!
00:01:20: Mit seiner Oma reist er kreuz-und quer durch Indien und auch sonst genießt er alle Freiheiten.
00:01:27: Meine Eltern haben immer gesagt du kannst machen was du willst Hauptsache, du hast eine gute Ausbildung", erzählt er.
00:01:34: Ankur entscheidet sich für Marketing.
00:01:38: Sein Studium möchte er mit einem Postgraduate-Diplom abschließen.
00:01:43: Dafür zieht er das erste Mal von zu Hause aus rund einen Tausend vierhundert Kilometer weiter in den Süden nach Pune – mit doppelsovielen Einwohnerinnen, doppelt so viel Verkehr und tropischem Klima!
00:01:58: Herz über Kopf.
00:02:01: Mit seinem Abschluss in der Tasche beschließt Ankur zunächst, ihn Pune zu bleiben.
00:02:07: Er bekommt einen Job und arbeitet als Store Manager bei einer großen Modekette – alles läuft nach Plan!
00:02:14: Bis er Jahr zwei Tausendzehn über einem gemeinsamen Freund in Kontakt mit einer jungen Frau aus Voralberg kommt.
00:02:22: Die beiden skypen und finden sich ganz sympathisch.
00:02:25: Als Stephanie ein paar Wochen später Wie geplant auf ihrer Reise nach Indien kommt, lernen sie sich persönlich kennen und lieben.
00:02:35: Ich bin noch nie zuvor einem Menschen wie ihr begegnet, sagt er – und seine Augen leuchten noch all die Jahre später wenn er an der erste Begegnung mit der Frau denkt, die er inzwischen längst geheiratet hat.
00:02:48: Sie ist spontan eins mit sich und zerdenkt die Dinge nicht!
00:02:52: Das gefällt Ankur sehr.
00:02:54: Denn bei ihm muss alles durch Dacht strukturiert und geplant sein.
00:02:59: Ich bin ein totaler Kopfmensch, lacht er – nur dass er sich so sehr verlieben würde, das ich sein ganzes Leben auf eben diesen Stellen würde….
00:03:09: Das war nicht geplant!
00:03:11: Kalte Füße hin oder her Aus drei Wochen Urlaub werden drei Monate bis Stefanin nichts anderes übrig bleibt als wieder nach Hause zu fliegen.
00:03:22: Über zwei Jahre lang führen die beiden eine Fernbeziehung Doch dass sie zusammen leben wollen, steht außer Frage.
00:03:30: Also müssen Sie eine Entscheidung treffen!
00:03:32: Wir haben uns für Vorarlberg entschieden, weil es für mich leichter sein würde hier Fuß zu fassen", sagt Ankur.
00:03:40: Vor allem die Sprache ist für ihn die kleinere Führte.
00:03:44: Seine Studiensprache war Englisch und er hatte auch schon begonnen ein wenig Deutsch zu lernen.
00:03:56: ausgerechnet im Februar.
00:03:58: Während in Pune Temperaturen um die dreißig Grad herrschen, trägt Ankur im winterlichen Blutens zwei Jacken und zwei Paar Socken übereinander und geht nie ohne Mütze-und Handschuhe aus dem Haus.
00:04:11: Mir war noch nie so kalt, lacht er.
00:04:14: Doch davon lässt er sich nicht abhalten!
00:04:17: Nach drei Monaten steht für das Paar dann fest – Ankur würde nach Vorarlberg auswandern.
00:04:24: Irgendwie Fuß fassen.
00:04:27: Die ersten Monate leben die beiden im Haus von Stefanis Eltern.
00:04:31: Hier wird der Schwiegersohn ins B mit offenen Armen aufgenommen.
00:04:35: Damals mussten wir uns noch mit Händen und Füßen unterhalten, aber verstanden haben wir uns trotzdem auf Anhieb – freut er sich!
00:04:43: Weniger einfach ist es eine Anstellung zu finden.
00:04:47: Die Jobsuche bleibt monatelang erfolglos bis ein bekannter seines Schwiegervaters den Kontakt zu gezner Textil herstellt.
00:04:55: Dort wird in der Garnenfärberei jemand gesucht.
00:04:59: Nicht gerade das, was Ankur sich vorgestellt hatte doch er nimmt den Job an!
00:05:03: Ich wollte unbedingt arbeiten die Sprache lernen und irgendwie hier Fuß fassen.
00:05:09: Die Kolleginnen dort haben mir das Gefühl gegeben dass ich es schaffen kann Und so ist es auch!
00:05:15: Ankur lernt immer besser Deutsch und knüpft erste Kontakte Doch er möchte weiterkommen.
00:05:21: Als er sich nach einer Fortbildungsmöglichkeit erkundigt, schlägt ihm das Unternehmen eine berufsbegleitende Ausbildung in Textilchemie vor.
00:05:30: Angkor nimmt das Angebot an – Eine gute Entscheidung wie er rückblickend sagt, doch einfach sei es nicht gewesen!
00:05:38: Die ersten Wochen brütet er praktisch Tag und Nacht mit rauchendem Kopf und der Übersetzungs-App im Dauerbetrieb über seinen Büchern.
00:05:47: Neben der Schichtarbeit Bleibt kaum Zeit für anderes.
00:05:53: Doch Ankur beißt sich durch!
00:05:55: Zwei-tausendneunzehn schließt er die Ausbildung erfolgreich ab und bekommt direkt einen Job in der Färberei Garnfreigabe.
00:06:04: Schritt für Schritt voran.
00:06:07: Heute ist Ankur noch einen Schritt weiter, inzwischen arbeitet er in der Qualitätssicherung.
00:06:13: Hier ist er verantwortlich für die Einhaltung der Qualitätsrichtlinien für bunt gewebte Hemdenstoffe, also jene, die aus bereits gefärbtem Garn gewoben werden.
00:06:25: Dieser Job ist sehr interessant und abwechslungsreich", sagt Ankur.
00:06:30: Dass er nach seinem Studium in Vorarlberg praktisch noch einmal von vorne anfangen musste stört ihn nicht – im Gegenteil!
00:06:39: Jeder Schritt hat mich weitergebracht, sagt Er.
00:06:41: Ich habe viel Unterstützung bekommen und bin sehr zufrieden damit, wie sich alles entwickelt hat.
00:06:48: Zu Hause in Vorarlberg Auch privat ist er inzwischen vierzigjährige in Voralberg angekommen.
00:06:55: Gemeinsam mit seiner Frau lebt Ankur längst in einer eigenen Wohnung.
00:07:00: Seine Freizeit verbringt er am liebsten draußen Beim Radfahren oder Motorradfahren Beim Angeln mit seinem Schwiegervater beim Bummeln am Bodensee mit seiner oder beim Tennisspielen mit Freundinnen und Arbeitskolleginnen.
00:07:15: Ich bin von Anfang an sehr offen aufgenommen worden, und habe sowohl privat als auch bei der Arbeit sehr viele nette Menschen kennengelernt", sagt Ankur.
00:07:25: Das habe es ihm leicht gemacht sich in Vorarlberg von Anfang dann sehr wohl zu fühlen.
00:07:31: Vieles, an das er sich nach dem Leben in der indischen Großstadt erst gewöhnen musste gehört heute ganz selbstverständlich zu seinem Alltag!
00:07:40: Die Ruhe, die Berge.
00:07:42: Der geordnete Straßenverkehr und die Kälte?
00:07:46: Die ist immer noch nicht meins lacht er.
00:07:49: Einmal pro Jahr fliegt Ankur nach Indien.
00:07:52: in diesen drei Wochen besucht ihr seine Familie trifft Freundinnen genießt die Wärme und den Trubel und isst so viel er kann denn das indische Essen vermisse ich manchmal schon gesteht erschmunzelt Und wenn die drei wochen um sind Dann freue ich mich auch schon wieder auf Zuhause, hier in Vorarlberg.
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