KW9 | Ausgabe 5 | Rückblick
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00:00:00: Der goldene Käfig der Fabrikanten.
00:00:03: Wie der betriebliche Wohnungsbau, die Vorarlberger Textilindustrie prägte.
00:00:08: und warum die Abhängigkeit von damals auch heute wieder ein Risikobjekt.
00:00:14: Die Industrialisierung Vorarlbergs im neunzehnten Jahrhundert war eng mit der direkten Nutzung der heimischen Wasserkraft verbunden.
00:00:22: Lange vor dem Bau der großen Hochgebirgsstauseen trieben die Flüsse des Landes die ersten mechanischen Web-Stühle an.
00:00:30: Doch wo dadurch die ersten Großbetriebe entstanden, fehlte es an Platz für die Menschen.
00:00:37: Um Arbeitskräfte zu binden errichteten die Fabrikanten eigene Siedlungen – ein System das zwar einen Dach über dem Kopf bot im Gegenzug jedoch vollständige Anpassung und Disziplinierung forderte.
00:00:51: So tiefgreifend die technischen Veränderungen in Vorarlberg verliefen so massiv waren die sozialen Herausforderungen.
00:00:58: Die Transformation zum mechanisierten Großgewerbe zog tausende Arbeitsmigrantinnen an, vor allem aus dem Trentino sowie den Kronländern Böhmen und Meeren.
00:01:10: Da der private Wohnungsmarkt völlig überfordert war – und zugewanderte oft rücksichtslos ausgebeutet wurden – begannen große Textilunternehmen wie Getzner, FM Hemmerle oder Jenny & Schindler selbst als Bauherrn aktiv zu werden.
00:01:28: Zwischen sozialer Absicherung und sozialer Kontrolle.
00:01:33: Die Werksiedlungen der Fabrikanten boten Schutz vor Obdachlosigkeit, von moderner sozialer Sicherheit war die Lebenssituation der Arbeiterinnen jedoch weit entfernt.
00:01:44: In Vorarlberg herrschte ein ausgeprägtes Herr im Haussystem bei dem sich der Fabrikan als strenger für sorglicher Patriarchverstand, der den Beschäftigten im Gegenzug bedingungslose Loyalität abverlangte.
00:02:02: Hinter der Fürsorge durch den Fabrikanten stand der Anspruch auf lückenlose Kontrolle.
00:02:09: Wie tief die Eingriffe ins Privatleben reichten, belegen die Fabrik und Hausordnungen.
00:02:15: Reglementierte Sperrstunden, Besuchsverbote- und strikte Verhaltensregeln bestimmten den Alltag.
00:02:22: Das System war ein wirksames Instrument zur Disziplinierung der Belegschaft.
00:02:27: da das Wohnrecht in den Werksiedlungen direkt an die Beschäftigung in der Fabrik gekoppelt war, konnte jeder offene Konflikt im Betrieb das existenzielle aus bedeuten.
00:02:40: Wer sich politisch engagierte oder an Streiks beteiligte riskierte nicht nur den Arbeitsplatz sondern den sofortigen Rauswurf aus der Unterkunft.
00:02:50: Die Doppelabhängigkeit gab den Fabrikannten ein höchst effektives Druckmittel in die Hand.
00:02:57: Parallelen in der Gegenwart?
00:03:00: Beim Sprung in die Gegenwart zeigt sich ein völlig anderes Bild.
00:03:05: Heute sind die Abhängigkeiten der Vergangenheit nur noch Geschichte oder etwa doch nicht!
00:03:11: Wenn Betriebe im Land dazu übergehen, Firmen eigenen Wohnraum als Recruiting Benefit anzubieten gewinnen vergangen geglaubte Mechanismen im XXI Jahrhundert unter neuen Vorzeichen wieder an Aktualität Denn die Parallele ist unübersehbar.
00:03:30: Ist der Wohnraum direkt an den Job gekoppelt, besteht das Risiko einer doppelten Abhängigkeit.
00:03:37: Wohnen ist ein Grundrecht und darf nicht ungewollt zum Hebel in der Arbeitswelt werden.
00:03:43: Um Schritte zurück in alte Abhängigkeiten zu unterbinden braucht es eine Wohnpolitik, die jetzt entschieden gegensteuert – vor allem durch die Stärkung und den Ausbau des gemeinnützigen Wohnbaus.
00:03:57: Nur so wird das eigene Zuhause zu einem sicheren Rückzugsort und nicht zum goldenen Käfig.
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